Mattensplitter

100 Jahre KSV Witten 07

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Geschrieben von Super User
Selten erscheinen Bücher aus der Ringkampf-Szene, die eine besondere Aufmerksamkeit verdienen. Das von Ralf Piorr im Klar-Textverlag, Essen, herausgegebene Werk "100 Jahre KSV Witten 07 kernig, kunstvoll, kraftvoll, kühn" verdient diese, ist informativ, lebendig geschrieben und lesenswert. Im ersten Teil wird die Geschichte des KSV Witten 07 aufgearbeitet und in Zusammenhänge zu den jeweiligen Zeiträumen unserer jüngeren Geschichte gestellt. Fotodokumente aus dem Bildarchiv des Preußischen Kulturbesitzes lassen erahnen, wie und unter welchen Voraussetzungen z. B. um die Wende zum 20. Jahrhundert Ringkampfsport betrieben wurde.

Der Aufstieg des KSV zum führenden Verein in Westfalen, seine Rolle unter den Nationalsozialisten, der Neubeginn nach 1945, all das kann anhand einer Vielzahl von Fotos und authentischer Schilderungen lebendig nachvollzogen werden.

Der ringerische Werdegang z. B. von Klaus Rost, dem erfolgreichsten Wittener Ringer, wird aufgezeigt. In einem mit ihm geführten Interview gibt er preis, zeitweise möglicherweise mit seinen Tauben mehr Geld als mit dem Ringen verdient zu haben. Lebendig werden der lokale Konkurrenzkampf mit der SU Annen, die nationalen Gefechte mit dem VfK Schifferstadt und der Weg zum ersten Mannschaftstitel 1970 gegen eben diesen Konkurrenten geschildert. Auch die unvergessenen Finalkämpfe gegen den KSV Aalen erweckt der Autor noch einmal zum Leben.

Im zweiten Teil des Buches kommen Athleten und verdiente Funktionäre zu Wort.

Mithat Bayrak z. B., zweifacher Olympiasieger, gesteht, sich heute als Wittener zu fühlen. Eigentlich wollte er ja nach zwei Jahren wieder zurück in die Türkei. Dann habe er bei Emil Olsberger seine heutige Frau kennen gelernt: „Liebe macht alle Pläne kaputt“, so sein trockener Kommentar.

Sarkastisch bewertet er das derzeitige Regelwerk: „Heute gibt es gar keinen Kampf mehr, keine Griffe, es wird nur noch geschoben. In Griechisch-Römisch kommt jeder einmal in die Bodenlage, verhindert eine Aktion des Gegners und gewinnt einen Punkt. Die Runden gehen 1:1 aus, und der etwas aktivere Ringer gewinnt. Was soll das sein?“

Neben anderen finden sich Beiträge von Rainer Brockhoff, Klaus Lohmann und Mirko Englich in dem vorgelegten Werk, das von Statistiken über Mannschaftserfolge sowie über erfolgreiche Ringer und Ringerinnen des KSV Witten 07 abgeschlossen wird.

Ralf Piorr, der es in manchen Passagen nicht verheimlichen kann, aus der Fußballszene zu kommen, hat eine sorgfältig recherchierte und reich illustrierte Abhandlung über den Werdegang des KSV Witten 07 vorgelegt, die dem interessierten Leser sicherlich viel Freude bereiten wird.

Buchrezension