Ergebnisse

BL KSV Witten (v) KSK Konkordia Neuss

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Geschrieben von Super User
Neuss lässt Witten alt aussehen

Der KSK Konkordia Neuss besiegte den KSV Witten 07 in der Husemannhalle hoch mit 22:13. Neuss liegt nunmehr auf Platz 2, der KSV Witten 07 findet sich mit 4:4 Punkten im Niemandsland der Tabelle.

Es sollte ein wenig der Standortbestimmung beider Spitzenclubs im Ringerverband NRW werden. Witten bestritt seinen ersten Heimkampf in dieser Saison. Mit 4:2 Punkten lag man bei Siegen gegen Ketsch und Walheim und einer Niederlage gegen Mömbris im Soll. Neuss ging nach Siegen gegen Mömbris, Mainz und Ketsch bei einer Niederlage gegen Weingarten als leichter Favorit in die Begegnung.
Zuschauer
350 Zuschauer verbreiteten eine erwartungsvolle Atmosphäre in der Halle. Das galt auch für die sportlichen Auseinandersetzungen auf der Matte. Man kennt und schätzt sich eben seit vielen Jahren. Deutlich wurde dies bei der Pressekonferenz nach dem Kampf. Da saßen Adam Juretzko und Max Schwindt nebeneinander und flachsten sich in freundschaftlicher Weise an: „Gerne hätte ich gegen Max heute gerungen und ihm natürlich eine Niederlage beigebracht“, so der Wittener. Er kann sicher sein, auch die Zuschauer hätten diese Begegnung, die bei vielen Deutschen Meisterschaften oftmals Highlight war, gern gesehen. Dass dieser Kampf am Samstag nicht zur Austragung gelangte, hatte der Wittener selbst zu vertreten. Eine Sperre wegen eines Verstoßes gegen die Meldepflichten der Anti-Doping Vorschriften ließ dies nicht zu. Witten hatte versucht, gegen die Sperre mit Mitteln der ordentlichen Gerichtsbarkeit vorzugehen, das Landgericht folgte einem entsprechenden Eilantrag der Ruhrstädter jedoch nicht. Jetzt hofft man auf eine endgültige Entscheidung in ca. 14 Tagen.

Zum Kampfgeschehen:

Hlibenko — Karahan
55 Kg LL: Viktor Hlibenko für Witten traf auf Süleyman Karahan. Hlibenko begann wie die Feuerwehr. Beinangriff wie aus dem Lehrbuch, nach 5 Sekunden bereits die erste Wertung für den Wittener. Wie ein Irrwisch überrannte er Karahan, der die erste Runde mit 8:0 abgeben musste. Der Neusser Trainer Ayhan Aytemiz stellte seinen Athleten in Runde 2 viel besser auf Hlibenko ein. Kein Wertungspunkt in Runde 2 innerhalb der ersten 2 Kampfminuten. Clinch, Beinangriff Hlibenko, Wertungseins und Rundengewinn. Offenbar sollte Karahan die risikoarme Kampfesführung fortsetzen. Er folgte dieser Taktik. Auch in Runde 3 keine Wertung. Clinch, Beinangriff Hlibenko und wieder die Eins. Witten hatte die ersten drei Mannschaftspunkte unter Dach und Fach. Karahan hatte erfolgreich gegen die Vier gerungen. (MK: 3:0)

Englich — Holk
Mirko Englich stellte sich in der Klasse bis 120 Kg GR das erste Mal nach seinem erfolgreichen Auftritt bei den Olympischen Spielen in Peking seinem Wittener Publikum vor. Er traf auf seinen früheren Mannschaftskollegen Björn Holk. Beide kannten sich aus vielen Trainingskämpfen sowohl im Verein als auch bei DRB-Lehrgängen. Englich war eindeutig – es war ja auch nicht anders zu erwarten – Chef auf der Matte. Holk verkaufte sich dabei erwartungsgemäß gut. Mit 1:1 war Runde 1 eine recht knappe Kiste. Entscheidend war in Runde 2 ein verkehrter Ausheber des Witteners, den Mattenleiter Jörg Fleiter mit einer 3 bewertete. Rundengewinn für Englich mit 4:0. Runde 3 ging dann mit 2:1 an Englich. Witten hatte einen guten Start hingelegt und führte mit 6:0 im Mannschaftskampf.

Skrypka — Wolfgang
60 Kg GR: Sergij Skypka musste jetzt in seinem Kampf gegen Victor Wolfgang punkten, wollte man nicht schon nach dem dritten Kampf die Wittener aus den Augen verlieren. Wolfgang, ein junger Kerl von 20 Jahren, Student mit deutsch-schwedischen Wurzeln, musste wohl erstmalig erfahren, wie schwer es ist, in der Bundesliga zu bestehen.

Sergiy Skrypka, der seine schwere Kreutzbandverletzung aus dem letzten Jahr wohl überwunden haben dürfte, war von Wolfgang nicht zu gefährden. Jeweils eine Dreierwertung in Runde 1 und Runde 2 stellten die Kräfteverhältnisse auf der Matte grundlegend klar. Runde 3 ging mit 1:1 ebenfalls an den Neusser, der somit einen 8:2 Punktsieg feiern durfte. Aber eins muss man auch sagen, Wolfgang hatte nicht enttäuscht, er war nur auf einen international erfahrenen ausgebufften Athleten getroffen, der an diesem Tag zudem mit Köpfchen rang. Die auch von Juretzko befürchtete Niederlage von Wolfgang war nicht zu vermeiden gewesen. (MK 6:3)

Klein — Vaillant-Cantero
96 Kg LL: Mirko Klein für Witten traf hier auf Jackson Vaillant-Cantero. Richtig, im Freistil rangen die beiden Klassiker gegeneinander. Klein konnte dabei die von ihm erwartete Leistung nicht bringen. Aus dem Umfeld der Mannschaft war zu hören, dass Mirko nach dem letzten Training noch 3 Kilo zu viel hatte. Dabei hatte er in der Woche schon ein wenig gekocht. Trainer Adam Juretzko beklagte in der Pressekonferenz gewisse Dinge im Vorfeld dieses Kampftags und kündigte an, mit Klein Einzelgespräche führen zu wollen.

Von daher war der Verlauf dieses Kampfes auf der Matte erklärbar. Vaillant-Cantero, im Kampf gegen Mainz selbst konditionell noch nicht auf der Höhe, hatte eindeutig mehr Körner aufzubieten. Dreirundensieg bei 4:0 Punkten und damit Ausgleich im Mannschaftskampf. (MK 6:6)

Blok — Dülger
66 Kg A LL: Adam Blok traf im letzten Kampf vor der Pause auf Samet Dülger. Dieser Kampf, mit Spannung erwartet, war vielleicht der Höhepunkt dieses Kampfabends. Ein Klasseathlet aus Polen und Deutschlands Nummer 1 trafen aufeinander. Ein offen geführtes Gefecht war zu sehen. Da gab es kein Gemauere, man sah, beide hatten sichtlichen Spaß an dieser Begegnung. Die erste Runde wurde durch die Schnelligkeit und die Wendigkeit Dülgers am Boden entschieden. Toll, wie explosiv er seine Beinangriffe vortrug. Das rang Achtung ab. Gewann Dülger Runde eins noch relativ knapp mit 3:0, entschied er die zweite vorzeitig nach Beinangriff und anschließendem Durchdreher mit 7:0 für sich. Runde 3 dann wieder recht offen, bis Dülger eben mit einem Beinangriff punktete; hinzu kam ein Heraustreten aus der Matte und Dülger gewann diese Runde mit 4:0. Technisch überlegene Punktsieg für den Mann aus Neuss mit 14:0. Neuss übernahm erstmalig die Führung im Mannschaftskampf mit 10:6.

Karakas — Schwindt
Feti Karakas für Witten und Max Schwindt bestritten den Kampf in der Klasse 84 Kg B GR. Karakas, der in der Pressekonferenz nach dem Kampf eine blendende Figur machte, war im Kampf gegen den mehr als 10 Kg schwereren Schwindt chancenlos. Dennoch ringt seine Leistung Achtung ab. Als Ringer, der in der Klasse bis 66 Kg üblicherweise eingesetzt wird, verkaufte sich der 32-Jährige blendend. Für ihn war es klar, sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen. Gewichtmachen fällt auch ihm nicht leicht, aber er sprach gar nicht darüber, redete seine Energieleistung in der Pressekonferenz ein wenig klein.

Das Kampfgeschehen sah einen aufopferungsvoll kämpfenden Karakas, der letztlich aber chancenlos war. 0:4, 1:4 und 0:2 die Rundenergebnisse. 10:1 Punktsieg für Schwindt. Neuss baute seine Führung im Mannschaftskampf auf 13 : 6 aus.

Charzewski — Cavusoglu
66 Kg B GR: Sylvester Charzewski musste gegen Mahmut Cavusoglu unbedingt punkten, wollte man aus Wittener Sicht nicht vorzeitig uneinholbar in Rückstand geraten. Charzewski gelang dies sicher in drei Runden, wenngleich die Punktergebnisse in den Runden dies nicht unbedingt deutlich machen. Runde 1 noch relativ deutlich mit 4:0 an den Wittener. Die zweite Runde hingegen war eng. 3:3 stand es zum Ende Runde 2, wobei die letzte Wertung für Charzewski entscheidend war. Auch Runde 3 war in einem technisch anspruchsvollen Kampf denkbar knapp. 1:1 stand es am Ende, letzte Wertung erneut für Charzewski, der damit aus Wittener Sicht auf 9:13 im Mannschaftskampf verkürzte.

Mihaly — Loés
84 Kg A LL: Ayhan Aytemiz hatte einen Sieg von Patrik Loés gegen Csaba Mihaly eingeplant. Mehr als 5 Kg Gewichtsvorteil und die Klasse des Neussers sollten die Entscheidung bringen. Dennoch, es war eng. Ging Runde 1 nach einem Beinangriff nach Clinch noch knapp mit 1:0 an Loés, konnte Mihaly Runde 2 mit 3:0 für sich entscheiden. Runde 3 wurde dann wieder im Clinch entschieden, wobei Mattenleiter Jörg Fleiter Loés wieder als den Aktiveren Ringer sah und ihm das Recht zusprach, im Clinch fassen zu dürfen. Loés nutzte dies. In Runde 4 hatte sich Loés dann ein wenig frei gerungen. Er agierte aggressiver, Mihaly hielt dagegen, es gab einen hin und her wogenden Bodenkampf. Dabei gab es auch enge Kampfrichterentscheidungen, die Wittens Trainer Juretzko zu wilden Gesten am Mattenrand veranlassten. Es half nichts, Loés gewann die Runde mit 6:3 und somit den Kampf mit 3:1 Mannschaftspunkten. (MK 10:16)

Sirin — Durdischew
74 Kg A LL: Fatih Sirin für Witten und Hamberd Durdischew für Neuss gingen auf die Matten. Gewichtsmäßig gab es dabei für keinen der Akteure einen entscheidenden Vorteil. Dabei sollte Durdischew den Sack für die Neusser zu machen. Er tat dies überzeugend. Zwei blitzschnelle Beinangriffe des Neussers bedeuteten eine schnelle 2:0 Führung und die Entscheidung in Runde 1. In Runde zwei dann ein wie ein aufgezogenes Uhrwerk ringender Durdischew. Er punktete eigentlich wann und wie er wollte und entschied diese Runde mit 7:0. Für den Zuschauer war der Kampf lebendig, schnell und attraktiv. In Runde 3 setzte sich der Kampfverlauf aus Runde 2 fort. Durdischew war der kampfbestimmende Athlet, Sirin hielt nach Kräften dagegen. Dann passierte etwas, was man in diesem äußerst fair geführten Gefecht niemand gerechnet hätte. Beide Athleten stießen mit den Köpfen zusammen, es gab einen gravierenden Cut an der Stirn des Witteners, der bei einem Punktestand von 0:14 in dieser Runde aufgrund dieser Verletzung den Kampf nicht mehr fortsetzen konnte. Aufgabesieg für Durdischew, der Mannschaftskampf war damit zugunsten der Neusser entschieden. (MK 10:20)

Özdemir — Todorov
74 Kg B GR: Dachte man, Ilyas Özdemir würde seinen Kampf gegen Emilyyn Todorov herschenken, sah sich getäuscht. Özdemir wollte den Sieg und auch KSV Trainer Adam Juretzko. Dabei ging Runde 1 mit 2:4 aus sich des Witteners an den Neusser, der den einzigen Hüftzug bei diesem Bundesligakampf mit einer Dreierwertung durchbrachte. Hart ging es her auf der Matte, wobei sich Mattenleiter Fleiter gezwungen sah, eine Beinarbeit mit einer Verwarnung für Todorov zu ahnden. Runde 2 mit 1:1 an Özdemir. In Runde 3 zeigten beide Athleten dann wenig attraktives Ringen. Todorov gelang es, aus der Bodenlage in die Oberlage zu kommen, dies bedeutete den 2:1 Sieg in dieser Runde. Beide letzten Runden gingen dann in diesem hammerhart geführten Kampf mit 1:1 und 4:1 an den Wittener. Für den Mannschaftskampf war dies bedeutungslos. Neuss hatte mit 20:10 gewonnen.

Fragt sich, wie beide Bundesligisten hinsichtlich ihres Leistungsstandes in der Bundesliga einzuordnen sind. Neuss dürfte sich gute Chancen auf Platz 3 in der Liga ausrechnen, wobei Köllerbach und Weingarten nicht zu gefährden sein dürften. Auch Witten dürfte hinsichtlich des selbst formulierten Saisonziels „Nichtabstieg“ keinerlei Schwierigkeiten bekommen.

KSV Witten


KSK Konkordia Neuss


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