Ergebnisse

OL AC Ückerath (v) TSG Herdecke

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  • Geschrieben von Oliver Stach
    Mit 17:21 gewann der Tabellenerste TSG Herdecke den Spitzenkampf der Oberliga NRW gegen die Mannschaft des AC Ückeraths ausgesprochen knapp. Dabei konnte der Tabellenzweite nur 9 Ringer auf die Matte bringen — die 120 Kilo Klasse konnte die von Verletztungen arg gebeutelten Dormagener nicht besetzen — was nach Korrektur dieses Geschenkes ein rechnerisches Kräftepatt auf der Matte bedeuten würde. Allerdings wird bei genauerer Betrachtung der Aufstellung recht schnell klar, dass sich aus dem Ergebnis des heutigen Kampfabends wohl kaum eine Aussage ableiten lässt. So stellte der AC Ückerath mit Bünjamin Barman und Andrea Suling zwei Ringer aus der zweiten Mannschaft auf die Matte, welche erwartungsgemäß hier jeweils vier Punkte lassen mussten.
    Nils Holk
    Aber auch der TSG Herdecke fuhr nicht gerade in optimaler Aufstellung über den Rhein. Michael Kern stellte sich in den Dienst der Mannschaft und stopfe wieder mal das Loch in der 60 Kilo Klasse. Der Herdecker 76 Kilo Mann Thorsten Eigelsperger vertrat den verhinderten Philipp Lübking in der 84 Kilo Klasse und auch Benjamin Timmermann hätte sich bestimmt lieber ein chancenreicheres Duell ausgesucht, als mit fettem Untergewicht gegen den Ückerather Top Ringer Patrick La Greca antreten zu müssen. Entsprechend dieser kreativen Aufstellung gab es hier dann auch eine maximale Punktausbeute für den AC. Geteiltes Echo fand an diesem Abend hingegen der eingesetzte Mattenleiter Nils Holk. Vor allem die Ückerather Fans waren hier nicht mit jeder seiner Entscheidung einverstanden: besonders die Ermessensentscheidungen von Holk im Kampf
    Schendzielorz — Beucke
    in der 96 Kilo Klasse zwischen Frank Burghartz und Daniel Stein hätte sich das heimische Publikum gerne anders gewünscht. Der Meinung kann man sich nur in so fern anschließen, dass Holks Entscheidungen bei eindeutigeren Aktionen der Beiden auch sicherlich einfacher zu vermitteln gewesen wären.

    Los ging es in der 55 Kilo Klasse mit dem Kampf zwischen Patrick Schendzielorz und dem Herdecker Daniel Beucke. Der Ückerather Schendzielorz — diesjährig mit Silber bei den DM's der A-Jugend und Junioren dekoriert — dominierte deutlich dem Kampf und konnte dem hochmotiviert auf die Matte tretenden Beucke sowohl im Stand als auch im Bodenkampf vorzeitig Punkte und Runden annehmen. Schön der gezeigte Kampfgeist des jüngeren Beucke, zweimal hing Beucke in der Brücke nahe der Schulterniederlage und kam hier wieder heraus. Ungewöhnlich die Aktion wie Beucke sich hieraus in Runde drei mit Punktegewinn lösen konnte. Schendzielorz hing stark rotzonig vorn über dem Herdecker, welcher passend eingefaltet vor ihm auf der Matte hing. Beucke brachte seine Füße noch einmal unter seinen Po, schob
    Czechanowski — Kern
    sich hoch hinauf und zwang den Ückerather so in den Stand. Hierbei musste Schendzielorz, vom Schub von Beucke geschoben, die Matten verlassen; gab so einen Punkt ab. Doch im angeordneten Bodenkampf war der Ückerather voll in seinem Element: hier konnte Beucke überhaupt keine Haftung aufbauen und drehte sich so gleich mehrfach über die Matte. Entsprechend das Ergebnis: mit 6:0, 6:0, 8:2 holte Schendzielorz die ersten vier Punkte für Ückerath.

    Keinen Gegner hatte der 120 Kilo Ringer Sven Fiedler. Herdecke zog somit mit 4:4 gleich.

    Recht wenig Mittel hatte der Herdecker Michael Kern in der 60 Kilo Klasse Freistil gegen den Ückerather Lukas Czechanowski. Auch wenn Kern deutlich auf Schadensbegrenzung aus war, kam er hiermit gegen den Ückerather nicht wirklich zu Potte. Mit varianten Einsteigern Durchdrehern und Ankippern holte sich Czechanowski die Runde eins
    Burghartz — Stein
    bereits vorzeitig; ging dann aber auch schon in Runde zwei und drei nicht mehr in die Vollen und verzichtete hier sichbar auf die ein oder andere Technik. Die Runden gewann Czechanowski mit 6:0, 3:0, 4:0, was vier Punkte für Ückerath bedeutet.

    Kräftig griechisch-römisch geschoben wurde in der 96 Kilo Klasse im Kampf zwischen Frank Burghartz und Daniel Stein. In der Bodenlage konnten sich beide überhaupt nicht gefährlich werden, im Stand gab es
    Barman — Domovets
    jeweils einmal gegenseitiges Umlaufen und Draufsetzen; was Burghartz Runde zwei und Stein Runde vier bescherte. In den anderen beiden Runden war Mattenleiter Holk gefragt: dieser entschied sich hier zweimal für Stein, was diesem einem 1:3 Punktsieg bescherte.

    Doch eher als gering waren die Chancen des Ückerather Jugendringers Bünjamin Barman in der 66 Kilo Klasse griechisch-römisch gegen den Herdecker Igor Domovets einzustufen. Nur 20 Sekunden Standkampf konnte sich Barman daher von Domovets entfernt halten, dann kassierte
    Sintschenko — Eigelsperger
    der Herdecker Barmans Kopf und hielt den Ückerather in der Brücke auf der Matte. Bemerkenswert hoch kam der Jugendringer zweimal mit dem Rücken von der Matte, aber aus dem Griff von Domovets gab es auch hierdurch kein Entrinnen: Domovets beendete den Kampf mit einem Schultersieg.

    Ähnlich eindeutig aber mit umgekehrten Vorzeichen war das Leistungsverhältnis im ersten Kampf nach der Pause zwischen dem Herdecker Thorsten Eigelsperger und Alexander Sintschenko angelegt. Eigelsperger ging mit Untergewicht und einigem weniger an Erfahrung auf die Matte; entsprechend schnell hatte sich Sintschenko seinen um einen halben Kopf größeren Gegner über einen Beinangriff auf die Matte gebracht und Eigelsperger befand sich mitten im Abwehrkampf. Zweimal brachte so Sintschenko seinen Gegner in verzwickte und gefährliche Lagen, zweimal drehte sich der Herdecker wieder aus dieser heraus; gab Runde Eins dennoch vorzeitig mit 8:0 ab. In Runde zwei war dann aber Endstation für Eigelsperger. Gleich zum Beginn der Runde holte Sintschenko Eigelsperger mit einem schönen Schulterwurf auf die Matte, hielt diesen über den rechten Arm auf der Matte und hatte so seinen Gegner wieder in der gefährlichen Lage: Einmal kam der
    Thoß — Kamke
    Herdecker noch zurück in den Kampf, konnte aber nicht verhindern, dass Sintschenko hierdurch auch Kontrolle über den Kopf bekam. Diese Lage war dann nicht mehr für Eigelsperger auflösbar und er musste auf die Schultern.

    Ein hochklassiges Gefecht lieferten sich in der 66 Kilo Klasse der für Herdecke ringende Stephan Thoß und der Ückerather Coach Alexander Kamke. Thoß, ringkampfkunstaktionstechnisch eher der Ecke von (Achtung, Kultur!) Donald Judd anzusiedeln, zeigte mal wieder, wie man mit Power-N-Flow Ringen (Achtung Psychologie, na dann wikipediat mal schön) attraktiv Kämpfe gewinnen kann: Power brachte Thoß auf die Matte, wenn es darum ging sich einen Vorteil zu verschaffen und Flow, wenn es darum ging diesen Vorteil über die Zeit zu bringen. Runde eins holte sich Thoß so mit 0:1, in der zweiten Runde war der Kampf lange Zeit offen bis Kamke mit einem Beinangriff sich einen Punkt Vorsprung verschaffen konnte. Der Vorsprung hielt nicht lang, Thoß machte Druck und holte sich mit einem Doppelbeinangriff vom Ückerather Grecco Spezialisten seinen Punkt zurück und gewann auch Runde zwei. Runde
    Suling — Meyer
    drei war ähnlich, doch noch zeitlich wesentlich knapper gestrickt: Knapp 1:30 hielten die Beiden den Kampf offen bis sich der Ückerather das linke Bein von Thoß anziehen konnte und so seinen Gegner einbeinig über die Matte hüpfen liess. Thoß hielt sich eng an Kamke, sodass Kamke seinen Gegner von der Matte hüpfen lassen musste — was besseres war halt nicht drin. Thoß hatte somit nur knappe 10 Sekunden Kampfzeit und sprang praktisch mit dem Anpfiff von Mattenleiter Holk Kamke an die Beine, hob diesen aus meinem Fokus (Mist!) und bretterte den Ückerather anschließend doppeltbeblitzt (danke an Bärbel) und somit gut ausgeleuchtet auf die Matte: zwei Punkte und damit Kampfgewinn für den Herdecker.

    Kurz und recht eindeutig war dann das anschließende Gefecht in der 84 Kilo Klasse zwischen dem Ückerather Anders Suling und Manuel Meyer. Suling musste den verletzten Isa Bayrak ersetzen, hatte aber gegen den Herdecker hierzu recht wenig Mittel. Kurz war daher der Standkampf: Meyer brachte Suling aus dem Tritt und dieser rettete sich
    La Greca — Kauer
    in die Unterlage. Meyer packte sich den Ückerather recht hoch und drehte diesen zweimal über die Matte und beendete dann den Kampf mit einem Schultersieg.

    Bei einem Zwischenstand von 13:18 gingen somit Giancarlo La Greca und Sebastian Kauer in 74 griechisch-römisch auf die Matte. La Greca hätte den Kampf somit mit mindestens einen Punkt Vorsprung vor seinem Gegner Kauer gewinnen müssen, damit zumindestens ein Ausgleich für die Ückerather Mannschaft möglich gewesen wäre. Doch der Herdecker Kauer machte schnell klar, das dies nur eine theorhetische Überlegung auf dem Punktezettel war: auf der Matte lies Kauer nichts anbrennen und spätestens nach dem 0:4 Gewinn der ersten Runde durch Kauer, zeichnete sich die Niederlage für Ückerath bereits stimmungstechnisch am Horizont ab. Kauer musste zwar in Runde zwei und deutlich in Runde drei runterschalten, doch La Greca konnte sich nicht genügend
    La Greca — Timmermann
    motivieren an diesem Abend noch den Kampf drehen zu wollen. Mit 0:4, 2:5, 1:2 gewann Kauer den Kampf und brachte mit seinen drei Punkten die Gastmannschaft uneinholbar in Führung.

    Damit hatte das abschließende Duell zwischen Patrick La Greca und dem um eine Gewichtsklasse aufgerückten Herdecker Benjamin Timmermann nur noch statistische Bedeutung. Mattentechnisch bekam Timmermann im Kampf kein Bein auf dem Boden und musste in Runde eins und zwei gleich mehrfach La Greca bei sich einsteigen lassen. Bei einem Stand von 7:0, 5:0 war dann in der dritten Runde etwas die Luft aus dem Kampf und der Ückerather schauckelte den Kampf mit einem Punkt Vorsprung nach Haus. Die vier Punkte für den technisch überlegenen Punktsieg stellten zum 17:21 Endergebnis des Kampfabends ein.