Ergebnisse

OL RC Hürth (v) AC Köln-Mülheim

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Geschrieben von Oliver Stach
Mit 9:29 kassierte der RC Hürth am vergangenen Freitag im Kölner Lokal Duell gegen den AC Köln Mülheim eine derbe Niederlage. Auch auf Grund einiger Verletzungen konnten die Hürther an diesem Freitag nicht ihre Mannschaft in optimaler Aufstellung an die Matte bringen: mit ohne Monschau, van Berkum und Kasumov fehlte der Mannschaft doch einiges an Substanz um mit den Jungs aus Mülheim auf gleicher Augenhöhe mitringen zu können. Zwar stand Mülheim auch nicht in Bestform auf der Matte, doch konnten dennoch die Gäste in der von Mattenleiterin Maria Winke vom AKS Rheinhausen sehr gut über die Matte gebrachten Partie satte 7 der ausgetragenen 9 Kämpfe für sich entscheiden.
Dorn — Petri
Und bei diesen Kämpfen konnte die Hürther lediglich einen Punkt mitnehmen, dazu kam noch ein 4 Punktegeschenk, da Hürth die 55kg Kilo Klasse nicht besetzen konnte. Da war nicht viel mehr drin.

Bevor ich aber zu den Kämpfen komme, zwei, drei ernstere Worte. Es ist guter Stil dieser Webseite hinsichtlich der Berichterstattung ein hohes Maß an Achtung, Neutralität und Objektivität zu erreichen. Ob das immer gelingt sei mal dahin gestellt, aber zu mindenstens gebe ich mir dennoch Mühe, diese Grundsätze in meinen Geschreibsel so weit wie möglich einzuhalten. Allerdings gibt es auch Situationen, bei denen
Kurle — Vorononok
man zwischen Objektivität und Neutralität schwer ins Schwimmen gerät: Wie zum Beispiel geht man der Situation um, dass ein Athlet im Sichtschatten des Kampfrichters nach Abpfiff der Kampfhandlung mit den Knien kräftig in den Nackenbereich seines Gegners nachdrückt?

Die Frage ob dies absichtlich oder nicht absichtlich passierte, kann man in der objektiven Sicht nicht beantworten. Aber auf der anderen Seite ist es in der neutralen Sicht auch schwer nachzuvollziehen, dass eine solche Nummer aus Versehen passiert. Oder soll man darüber nichts berichten und damit ein solches Verhalten stillschweigend tolerieren? Weil es für sich genommen eine Lapalie ist? Klar, man kann das auch mit dem üblichen Ringersprüchen hinsichtlich Nichts-für-Zimperliesen und ist-kein-Mattenhalma und was es da sonst noch angeflügelten Sprüchen gibt, abwiegeln. Aber ab wann ist da der Punkt erreicht, bei dem Härte in absichtliche Verletzung abdriftet? Es sollte doch eigentlich ein Sport sein, oder?

Nun, ich habe mich entschieden letztendlich hier nur den Mattenpastor zu geben und meine Beobachtung in dieses Wort zum Sonntag zu giessen. Denn dies ist hier nicht der Genfer Gerichtshof und die Pappenheimer sind wohl den Verantwortlichen in den Vereinen vermutlich hinreichend bekannt. Und da liegt auch die Verantwortung mit was man sich da auf der Matte ziert und welche Folgen das haben könnte. Und aus dieser Verantwortung kann man eigentlich nur empfehlen mal ganz genau mit
Schneider — Meurer
vier Augen und aus zwei Blickwinkeln hinzusehen und wenn dies nicht reicht dann aus eigener Anschauung heraus die notwendige Flurbereinigung selbst durchzuführen: denn eine Werbung für das Ringen sind solche Aktionen nicht und ihre möglichen Folgen schon mal ganz und gar nicht. Und damit zum Kampfverlauf.

Ohne 55 Kilo Gegner hatte der Mülheimer Maximilian Huisinga nur einen kurzen Auftritt auf der Matte: mit einmaligem Armeheben waren so die ersten vier Oberliga Punkte für Huisinga für die Mülheimer Mannschaft eingefahren.

Bei den Superschwergewichten trat der Hürther Frank Dorn gegen gut einen Kopf größeren Andre Petri. Routinier Dorn schätzte die Kräfteverhältnisse in dem im Griechisch-römischen Stil ausgetragenen Kampf recht gut ein und rang deutlich in Richtung geringer Verpunktung: Petri war so im Standkampf in allen drei Runden der Aktiviere, doch mehr liess Dorn auch nicht zu. In der Bodenlage machte Dorn zudem beim Durchdrehen-Lassen ordentlich Meter, sodass Petri letztendlich in Runde zwei und drei der Platz auf der Matte
Löhrer — Sefidroudi
ausging; sich aber auch hiermit in gewisser Weise zufrieden gab. Mit 0:4, 0:2, 0:2 ging der Kampf an den Mülheimer, welcher mit seinen Punktsieg hier drei Punkte für die Gästemannschaft erzielen konnte.

Mit etwas viel Schmackes ging in der 60 Kilo Klasse griechisch-römisch der junge Hürther Markus Kurle in den Kampf gegen den Mülheimer Vladyslav Vorononok. Im Duell Lulatsch gegen Kompaktklasse hatte Vorononok zunächst seine Vorteile: Mit einer zackigen über den Rechten Arm angesetzten Finte brachte sich Vorononok hinter seinen Hürther Gegner, brachte diesen erfolgreich zu Boden und schloß die Aktion mit einen sauberen Durchdreher ab. Wieder im Stand konnte Kurle diese Punkte aber unmittelbar ausgleichen: Mit seinen langen Armen konnte er Vorononok Kopf einschließen und legte mit einer Drei den Mülheimer fast auf die Schultern. Allerdings konnte Kurle seinen kräftigen Gegner hier nicht halten: Vorononok arbeitete sich wieder aus dem Keller in die Belle-Etage, konnte so hinter Kurle andocken und abermals durchdrehen. Damit war Runde eins entschieden: der Bodenkampf brachte nichts weiteres hervor. In Runde zwei versuchte nun der Hürther die Aktion der ersten Runde zu wiederholen und Vorononok über den Kopf zu erwischen. Da diese Angriffe aber im Eifer des Gefechtes etwas übermotivert und überhastet ausgeführt wurden, gab es statt Technik hierbei für Vorononok einiges aufs Gesichts und Ohr. Als sich dann auch noch die ersten Kratzer quer durchs Vorononoksche Gesicht zeigten, strafte Mattenleiterin Winke Kurle hierfür mit einer Verwarnung ab. Die zweite Runde ging mit 0:2 an den Mülheimer. In
Kurle — Saballus
Runde drei war dann Kurle im Standkampf etwas ruhiger: Vorononok hatte hieraus mehr Möglichkeiten und konnte sich mit zwei Kontrollpunkten zunächst eine kleine Führung herausarbeiten. Kurle musste sich nun also öffnen und diese Option lies Vorononok nicht stehen: Vorononok tauchte unter den Armen von Kurle durch, schloss die Arme um die Brust des Hürthers und legte seinenen Gegner mit einer knackigen Drei auf die Matte. Damit war der Kampf letztendlich entschieden: mit 3:6, 0:2, 1:6 gingen drei weitere Mannschaftspunkte an Mülheim.

15 Kilo Gewichtsnachteil hatte in der 96 Kilo Klasse der Mülheimer Thorsten Meurer im Vergleich zum Hürther Nils Schneider. Allerdings kann auch Meurer ein in Jahrzehnten gemessenes Mehr an Kampferfahrung vorweisen, sodass hier der Kampf eine ganz klare Sache für den Mülheimer war. Schneider versuchte mit Angriffen zur Hüfte seinen Gewichtsvorteil gewinnbringend in die Waagschale zu werfen, doch Meurer saß im wahrsten Sinne des Wortes diese Angriffe aus, kam so in die Oberlage und Fusilli-erte anschließend seinen Hürther Gegner dreimal über den Oberkörper zum 0:7 Rundengewinn. In Runde zwei blieb Schneider bei einen Angriffen über die Hüfte treu. Wieder wich Meurer über den Hosenboden der Masse seines Gegners aus und zog aber diesmal gleich zweimal Schneider mit einem Spaltgriff über sich hinweg. Hier hatte der junge Hürther recht viel Glück, dass Mattenrichterin Winke hier noch nicht den Kampf an dieser Stelle mit einem Schultersieg für Meurer bewertete. Dieser kam aber dann in Runde drei. Meurer legte zunächst mit Kontrolle und mit einen Ankipper drei Punkte vor, als Schneider es fast schaffte, aus dem Bodenkampf sich über seinen Gegner zu bewegen. Die sichere Eins hatte aber Schneider nicht im Sinn, sondern versuchte gleich einen
Brand — Profeta
halb von der Seite angesetzten Durchdreher. Meurer machte sich schlank, sodass der Hebel von Schneider nicht saß. Stattdessen hatte der Mülheimer nun vollen Zugriff auf den Kopf von Schneider, welcher so selbstangekippt kaum noch Optionen hatte: keine drei Sekunden später musste Schneider seine Schulterniederlage hinnehmen.

0:14 stand es somit vor dem letzten Kampf vor der Pause. Aber auch im Kampf zwischen Sam Löhrer und David Sefidroudi waren für Hürth keine Punkte drin. Gegen den mit Bundesligaerfahrung ausgestatteten Sefidroudi versteckte sich Löhrer aber nicht auf der Matte und versuchte in dem Kampf durchaus seine Akzente zu setzen und nicht mit fliehenden Fahnen unterzugehen. Allerdings ergaben sich hieraus auch für Sefidroudi einiges an Optionen: vor allem über das linke Bein brachte der Mülheimer seinen Gegner zu Boden. Beim ersten Angriff konnte sich Löhrer noch in die Bauchlage retten: beim zweiten Mal ging es für Löhrer voll in die Rückenlage und musste anschließend noch einen Einsteiger über sich ergehen lassen. Hieraus drehte sich Löhrer wieder auf den Bauch: die Runde war aber an dieser Stelle bereits durch Sefidroudi entschieden. In die zweite Runde ging dann Sefidroudi konsequenter, brachte Löhrer unmittelbar zu Boden, schloss den rechten Arm seinen Gegners ein und kippte bzw. drehte sich so in knapp 20 Sekunden die Runde zusammen. Auch die dritte Runde wurde von Sefidroudi deutlich beherrscht: Aus dem Stand zog Sefidroudi seinen Gegner unter sich nach vorn und konnte so Löhrer kontrollieren. Löhrer machte sich klein, was dem Mülheimer allerdings nun die Möglichkeit
Kurle — Magomedov
lies, an der rechten Flanke von Löhrer eine Zange anzusetzen. Diesem Zugriff konnte Löhrer nicht mehr parieren und musste es zulassen von Sefidroudi auf den Rücken gedreht zu werden. Kurze Zeite später war dann der Kampf mit einem Schultersieg für Sefidroudi entschieden.

Erst beim sechsten Kampf des Abends konnte das Hürther Publikum das erste Mal einen Sieg feiern. Im 84 Kilo Kampf griechisch-römisch war der Hürther Thomas Kurle gegen den aus der zweiten Mülheimer Mannschaft aufgerückten Frank Saballus erfolgreich. In dem hauptsächlich durch eine Folge von Kopfhüpfzug Duellen mit anschließenden Abwehrkampf in der gefährlicher Lage geprägten Kampf war der eher eine Gewichtsklasse tiefer angesiedelte Kurle gegen Kraftringer Saballus eifriger Punktesammler. So hing Saballus in der ersten Runde gleich zweimal in verzwicken Lagen: nur der Pausengong rettete den Mülheimer in dieser Runde vor der Schulterniederlage. In Runde zwei legte dann Saballus seinerseits Kurle mit einer Drei auf die Matte. Da Kurle diese Nummer aber selbst noch zweimal durchbraten konnte, ging Runde zwei mit Stand von 7:4 vorzeitig an den Hürther. Entschieden wurden dann der Kampf in Runde Drei: zweimal brachte Kurle Saballus in die gefährliche Lage. Beim ersten mal drehte sich
Arndt — Cinar
Saballus nach 15 Sekunden Gegenwehr noch mal in den Wind. Beim zweiten Mal kopfte dann Mattenleiterin Winke dann den Kampf ab: auch wenn Saballus sich ebenso heftig gegen die Schulterniederlage stemmte, konnte Kurle dann doch noch den Sack zumachen. (Hinweis: die Siegerpose von Kurle ansehen)

Wenig Optionen hatte im nachfolgenden 66 Kilo Kampf der Mülheimer Massimo Profeta gegen den Hürther Marvin Brand. In dem im griechisch-römischen Stil ausgetragenen Kampf hielt sich Profeta zunächst in der ersten Runde recht clever auf den Beinen und lies Brand nur eine kleine Wertung. Allerdings brachte diese dem wurffreudigen Brand die Oberlage, welche sich für diese Option auch glatt mit einer Fünf bei Profeta bedankte. Auch in der zweiten Runde brachte der Standkampf lediglich einmal eine Kontrolle für Brand auf die Punktetafel. Abermals entschied sich Brand für einen Ausheber, drehte Profeta aber nur flach über den gestrecken Arm sodass der Mülheimer zwar nur wenig Punkte abgeben musste, allerdings nach der Drehung in der gefährlichen Lage war. Hieraus entliess Brand seinen Gegner nicht mehr: Auch wenn es Profeta fast 25 Sekunden schaffte sich gegen die Niederlage zu wehren, drückte Brand praktisch in den letzten beiden Sekunden der Kampfzeit dennoch die Brücke von Profeta ein: Schultersieg für Brand und vier weitere Punkte für Hürth.

Eine klare Angelegenheit für den Mülheimer Abusupiyan Magomedov war der Kampf in der 84 Kilo Klasse Freistil gegen den Hürther Wladimir Kurle. Auch wenn sich Kurle bei der ersten Kampfaktion durchsetzen konnte und Magomedov erst einmal mit Kraft von der Matte brachte, setzte sich der armlage Magomedov im Kampf klar durch. Drei mal fischte sich Magomedov Kurle über dessen Fessel von der Matte und faltete anschließend Kurle über die Matte. Fürn Fischerman's Friend gabs dann jeweils drei Punkte von Mattenleiteren Winke, Glück für Kurle hierbei nicht schon in Runde eins auf die Schultern zu müssen.
Meul — Khalil
Das vorzeitige Ende des Kampfes kam dann bereits in Runde zwei: Kurle konnte sich nicht schnell genug aus den Armen von Magomedov drehen, sodass der Mülheimer Kopf und rechten Arm von Kurle einfangen konnte und hierüber Kurle nach kurzer Gegenwehr auf die Schultern brachte.

Als zu abgebrüht erwies sich der Mülheimer Fatih Cinar für den Hürther Patrick Arndt im anschließenden Kampf der 74 Kilo Klasse. In dem im freien Stil ausgetragenen Kampf vermochte Cinar auch kleine Vorteile gut über die Zeit bringen. Dazu kam bei Arndt noch etwas Pech dazu, dass eine nmM doch recht klare Aktion des Hürthers letztendlich von Mattenleiterin Winke nicht gesehen wurde und damit keine Punkte an den Hürther gingen. Runde eins und zwei gingen so mit 1:1 und 0:1 jeweils an beide Ringer. In Runde drei lief Arndt in Rückstand liegend dann voll in einen Konter des Mülheimers und konnte mit viel Glück noch den Mattenrand erreichen, ohne dass Cinar hier seinen Schultersieg beenden konnte. In Runde vier ging der Mülheimer dann schon deutlich im Keuchmodus über die Matte: doch Arndt konnte sich hier nicht behaupten: seinen Punkt Vorsprung brachte Cinar clever nach Haus: war aber nach dem Kampf total geplättet.

Auch im letzten Kampf des Abends konnte noch einmal der Mülheimer Ringer voll punkten. Gegen den Mülheimer Grecco Spezialisten Rame Khalil stellte sich der Hürther Pascal Meul in seinem ersten Oberligakampf in dieser Saison auf die Matte. Die drei Runden waren vom Ablauf sich sehr ähnlich: Khalil holte sich im Standkampf über Mattenverdrängung genau den Punkt, den er benötigte um für den Bodenkampf in die Oberlage zu kommen. Hier bliebt dann Khalil im zweiten Gang und kippte seinen jugendlichen Gegner Meul jeweils zweimal an, um sich so jeweils Fünf Wertungspunkte und damit einen technisch überlegenen Punktsieg zu sichern.