Mattensplitter

Verbandstag stellt Weichen

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Geschrieben von Thomas Meyer
NRW-Präsident Karl-Martin Dittmann nach 19 Jahren offiziell aus seinem Amt verabschiedet – Nachfolger ist Jens-Peter Nettekoven

Es war ein emotionaler Moment: Karl-Martin Dittmann hatte am 01.11.2014 im Rahmen des Verbandstages des Ringerverbandes NRW seine letzte Rede als Präsident desselben gehalten und ist zum Abschluss seiner Tätigkeit von den zahlreich erschienenen Delegierten unter Standing Ovations verabschiedet worden.
 
Der langjährige Kopf seiner LO verzichtete wegen eines „nicht mehr ausreichenden Zeitfensters“ auf eine erneute Kandidatur und räumte deshalb das Feld für einen
Dittmann — Werner — Nettekoven
Nachfolger. Mit Tränen in den Augen hatte sich der Vollblutfunktionär zuvor für die jahrelange Zusammenarbeit bei allen Weggefährten bedankt und während seiner bewegenden Worte u.a. einen kleinen Rückblick über seine Amtszeit gegeben, in welcher er viele Höhe- und Tiefpunkte erleben durfte. Besonders gerne denkt der Dortmunder vor allem an Ereignisse wie das Olympiasilber von Mirko Englich 2008, die Europameisterschaften in Dortmund 2011 oder das jüngst gewonnene WM-Gold von Aline Focken zurück. Allerdings bestanden beispielsweise mit dem Vereinssterben im Verband oder dem glücklicherweise erfolgreichen Kampf um Olympia auch massive Probleme und Krisen, die ihn ständig vor unangenehme Herausforderungen und Aufgaben gestellt hatten.
 
Seine Verdienste um den Ringkampfsport in NRW sind unbestritten, bekleidete Dittmann doch viele weitere Ehrenämter: NRW-Vizepräsident von 1990-1995, Vorsitztender des KSV Kirchlinde und des Bezirks Westfalen sind nur einige weitere Eckdaten. Nicht umsonst waren deshalb namhafte Persönlichkeiten aus Politik und Sport angereist, um die erbrachten Leistungen entsprechend zu würdigen: Nach freundlichen Worten von Werner Stürmann (Sportministerium NRW) und der
Ringerin des Jahres: Aline Focken
Vizepräsidentin des LSB Gisela Hinnemann griff auch DRB-Präsident Manfred Werner zum Mikrofon. Er verdeutlichte, dass nun „das Ende einer Ära“ gekommen sei und „dicke und breite Fußspuren“ hinterlassen werden. Zu guter Letzt meldeten sich schließlich auch die Vizepräsidenten der LO zu Wort und erklärten Dittmann feierlich zum Ehrenmitglied des Ringerverbandes NRW. Allerdings war dies nicht genug der Ehrungen, denn auch der LSB wird ihm im Februar die goldene Ehrennadel überreichen – eine Auszeichnung, die nur ganz wenigen Persönlichkeiten vorbehalten bleibt. 

Den Staffelstab weitergeben durfte er später dann an einen noch vergleichsweise jungen Sportskameraden: Jens-Peter Nettekoven (36), Sohn des langjährigen Vereins- und Verbandsfunktionärs Walter Nettekoven, wurde durch die Versammlung zum neuen Präsidenten gewählt. Der Hauptmann der Bundeswehr, der nach  Afghanistan-Einsätzen heute vom Dienst freigestellt und als Abgeordneter in den Landtag von Nordrhein-Westfalen eingezogen ist, hatte bereits als Kind seine ersten Erfahrungen im Ringkampfsport gemacht. Beim TKSV Bonn-Duisdorf durchlief er vom frühen Schüleralter die gesamte Laufbahn bis hin in den Männerbereich, musste jedoch im Jahre 2000 aus beruflichen Gründen seine Schuhe an den Nagel hängen. Nun, nach der Rückkehr aus Berlin in die Nähe seiner
Dieter Meissner
Heimatstadt, ist er bereit, sich den Herausforderungen an das Amt zu stellen, sich um die Belange des Verbandes zu kümmern und diesen zu leiten. Durch seine Wahl, in der er sich gegen den Gegenkandidaten Kurt Schröer vom AC Hörde 04 durchgesetzt hatte, wurde ihm das nötige Vertrauen der Verbands- und Vereinsvertreter entgegen gebracht. 

Neben dem Präsidentenamt gab es mit dem Referat für Medien und Kommunikation, dem Rechtsausschuss (I. Instanz) und dem Referat für Schul- und Breitensport drei weitere Ämter neu zu besetzen, da mit Oliver Stach, Dieter Meissner und Jens Holk drei  Präsidiumsmitglieder nicht mehr zur Wahl antraten. Letztlich setzt sich das Präsidium nun wie folgt zusammen:

Vorstand: Jens-Peter Nettekoven (Präsident), Carsten Schäfer (Vizepräsident Sport), Peter Neldner (Vizepräsident Finanzen), Peter Kettler (Vizepräsident Verwaltung); Präsidium: Walter Nettekoven (Ligenreferent), Frank Meyer (Jugendreferent), Heinz Schmitz (Frauenreferent), Holger Nowakowski (Referent für Schul- und Breitensport sowie für Aus-und Fortbildung), Uwe Manz (Kampfrichterreferent), Peter Kettler (Referent für Bezirks- und Vereinsangelegenheiten), Dr. Theo Steinacker (Referent für Medizin),  Thomas Meyer (Referent für Medien und Kommunikation). 

Beratendes Präsidium: Nina Kahriman (geb. Englich/Verbandsrechtsausschuss I. Instanz) und Hermann-Josef Kahlenberg (Verbandsrechtsausschuss II. Instanz). Durch den Hauptausschuss ebenfalls ins beratende Präsidium berufen: Burkhard Schulz (Startausweisreferent), Janine Hannes
Ehrenmitglied Karl-Martin Dittmann
(Frauenbeauftragte) und Dr. Theo Steinacker (Anti-Doping-Beauftragter).

Den neben Verabschiedung und Präsidiums-Neuwahl dritten Höhepunkt des Verbandstages stellte die Ehrung von Aline Focken als neue Weltmeisterin dar. „Aline, du machst die deutsche Ringerwelt glücklich“, du „bist ein Vorbild für die Jugend“ adelte DRB-Präsident Manfred Werner die junge Athletin und stieß dabei auf allgemeine Zustimmung. Obendrein ließ Werner schon „die Katze aus dem Sack“, indem er erklärte, dass die Kämpferin aus Krefeld nach 2013 auch in diesem Jahr als „Ringerin des Jahres“ ausgezeichnet werden würde – allerdings wunderte dies wohl niemanden. Ein Novum, denn dieser Titel wurde bisher noch an keine Athletin an zwei aufeinander folgenden Jahren vergeben. 

Eine schöne Geschichte hierzu am Rande: Die Siegerehrung in Taschkent war die erste, die Karl-Martin Dittmann in seiner neuen Funktion beim Weltverband United World Wrestling durchführen durfte – er wird wohl kaum weniger gestrahlt haben als die Weltmeisterin selbst. Zu seinem Pech lag das in Taschkent getragene Hemd jedoch gerade in der Wäsche, was eine Wiederholung der Ereignisse verhinderte – ein minimaler Schönheitsfehler, der wohl niemanden gestört haben dürfte. 

Abschließend ist noch zu berichten, dass zwischen all den Ehrungen und Wahlen eine für die Vereine nicht unerhebliche Veränderung im Mannschaftsbetrieb beschlossen wurde: Der Antrag des KSV Simson Landgraaf und Aachen EUREGIO Sports, ab 2015 in allen Mannschaftskämpfen auf Landesebene eine 70 kg- und 80 kg-Klasse einzuführen und dafür auf die Klassen 66 kg b und 86 kg b zu verzichten, ist mit 64 von 121 möglichen Stimmen angenommen worden. Die Bezirksligen bleiben hiervon unberührt und werden auch zukünftig nach dem alten Modus ihre Wettkämpfe austragen.
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